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Lifestyle

Der Wunsch nach Perfektion

Sport, gesunde Ernährung, Überstunden, ein perfektes Leben – die Anforderungen, die die Gesellschaft und wir uns selbst stellen, sind hoch. Wir wollen ständig schöner, beliebter, gesünder, einfach besser sein.

Selbstoptimierung ist nichts Schlechtes an sich. Es spricht nichts dagegen, wenn man gesünder leben will, mehr leisten möchte oder sich vornimmt, mehr Sport zu treiben. Der Drang nach Perfektion und ständiger Selbstoptimierung kann aber durchaus ins Negative umschlagen – dann, wenn der Weg zur Perfektion zur Obsession wird.

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Gesunde Ernährung und Fitness Apps sollen uns „optimieren“.

Der messbare Mensch

Auch wenn viele Menschen nur wenig mit Zahlen und Daten anfangen können, begegnen sie uns doch jeden Tag. Zum Beispiel, wenn wir morgens auf die Waage steigen oder beim Sport auf den Pulsmesser schauen. Auch wenn wir darüber nachdenken, wie viel Kalorien unser Mittagessen hat, beschäftigen wir uns mit Zahlen, Daten und Fakten. Wir versuchen, uns durch ständiges Messen und Rechnen zu verbessern, unseren Körperumfang zu verringern oder unsere Leistung zu steigern. Wer jetzt denkt, dass diese Erscheinung ein Phänomen der heutigen Gesellschaft ist, der irrt. Der Mensch hat schon immer beobachtet, beschrieben und vermessen – auch sich selbst. Johann Wolfgang von Goethe zum Beispiel. Er notierte beinahe seinen gesamten Tagesablauf. Er schrieb auf, wann er Tee trank oder wann er sich mit wem zum Mittag essen traf. Auch der amerikanische Präsident Thomas Jefferson dokumentierte all seine Ausgaben und führte bis aufs kleinste Detail Buch über seine Finanzen. Neu sind heutzutage nur die technischen Möglichkeiten zur Vermessung des Menschen.

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Auch der Mensch ist messbar.

Selbstoptimierung 2.0

Ratgeber, Apps und Gagdets – es gibt unzählige Spielereien, technische Geräte und Bücher, die uns auf dem Weg der Optimierung unterstützen. Das Geschäft mit der Selbstoptimierung boomt, denn heute zählt nicht nur die Optimierung des Geistes, des Verstandes, sondern erst recht die Optimierung des Äußeren. Wer seinen Körper nicht optimiert ist faul, träge oder lebt ungesund. Die Medien geben uns Rollenbilder vor, die es zu erreichen gilt. Auf Plakaten, in Castingshows und in Magazinen sehen wir, was es heißt, perfekt zu sein. Frauen müssen schlank, sportlich und makellos sein. Diese Rollenbilder sind ständig im Wandel. Ihnen gerecht zu werden, ist unmöglich. Auch Männer stehen unter ähnlichem Druck. Sie müssen stark, muskulös und fit sein. „Normal“ ist ein Schimpfwort in der Leistungsgesellschaft. „Normal“ ist der, der sich nicht genug anstrengt.

Unerreichbar

Der Weg zur Perfektion ist unendlich. Optimierung hat kein Ende. Die Bemühungen, sich ständig zu verbessern und zu steigern sind anstrengend. Viele treibt es in die Verzweiflung, denn sie verfolgen irreale Ziele. Der Mensch wird schließlich älter – auch wenn man versucht, dagegen anzukämpfen. Ausgelöst durch den Druck der Anforderungen an sich selbst, leiden viele Menschen an Stress und Burn-Out. Was man dagegen tun kann? Realistisch sein! Die falschen Vorstellungen über Bord werfen. Selbstoptimierung ist gut, aber auch wahnsinnig anstrengend, wenn man versucht etwas zu erreichen, das es nicht gibt: Perfektion…und das ist auch gut so.

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